Welcher Führerschein für E-Dirtbikes? AM, A1 und B196 erklärt
Sur-Ron, Talaria oder Stark Varg: Welche Klasse du brauchst, hängt allein von der Zulassung ab. Mindestalter, B196 und die Regeln in Österreich und der Schweiz im Überblick.
Stand: 24.09.2026
Die Kurzfassung
Entscheidend ist nicht die Marke, sondern die Fahrzeugklasse in den Papieren. Die gleiche Sur-Ron gibt es als Offroad-Bike ohne Zulassung, als 45-km/h-Kleinkraftrad und als 125er-Leichtkraftrad. Jede Variante braucht eine andere Fahrerlaubnis.
- L1e-B (bis 45 km/h, bis 4 kW Nenndauerleistung): Klasse AM ab 15 Jahren, auch in Klasse B enthalten.
- L3e-A1 (bis 11 kW Nennleistung): Klasse A1 ab 16 Jahren, Klasse A oder in Deutschland Klasse B mit Schlüsselzahl 196.
- Offroad-Bike ohne Zulassung: darf nicht auf öffentliche Straßen und Wege, egal mit welchem Führerschein.
Klasse AM: 45 km/h ab 15 Jahren
Die Klasse AM gilt für Kleinkrafträder der Klasse L1e-B. Das Mindestalter liegt bei 15 Jahren, seit 2021 bundesweit. Bis zum 16. Geburtstag gilt die Fahrerlaubnis nur in Deutschland. Wer Klasse B hat, darf AM-Fahrzeuge automatisch fahren.
Viele Dirtbikes gibt es ab Werk als L1e-Variante, etwa Sur-Ron Light Bee L1e, Sur-Ron Ultra Bee L1e oder Talaria Sting. Sie sind auf 45 km/h begrenzt und haben Licht, Blinker, Spiegel und Kennzeichenhalter.
Klasse A1: die 125er ab 16 Jahren
Klasse A1 erlaubt Krafträder mit höchstens 11 kW und einem Leistungsgewicht von höchstens 0,1 kW pro Kilogramm. Das Mindestalter ist 16 Jahre. Für Elektro-Bikes zählt dabei die Nennleistung, nicht die Spitzenleistung. Deshalb fallen auch Bikes mit deutlich mehr Spitzenleistung in A1, etwa die Stark Varg SM mit 11 kW Nenn- und 44 kW Spitzenleistung.
B196: 125er mit dem Autoführerschein
Mit der Schlüsselzahl 196 dürfen Autofahrer in Deutschland Leichtkrafträder der Klasse A1 fahren, laut ADAC auch elektrische. Die Voraussetzungen:
- Mindestalter 25 Jahre.
- Seit mindestens fünf Jahren im Besitz der Klasse B.
- Fahrerschulung ohne Prüfung: mindestens vier Theorie- und fünf Praxiseinheiten zu je 90 Minuten.
- Zwischen Schulung und Eintragung darf höchstens ein Jahr liegen.
- Die Berechtigung gilt nur in Deutschland, nicht im Ausland.
Offroad-Bikes ohne Zulassung
Für ein Bike ohne Straßenzulassung gibt es keinen passenden Führerschein, weil es gar nicht auf öffentliche Straßen darf. Auf Privatgelände verlangt das Gesetz keine Fahrerlaubnis, denn die Pflicht gilt nur für öffentliche Straßen. Eigentümer und Streckenbetreiber legen dort eigene Regeln fest, etwa Mindestalter oder Lizenz. Beachte zusätzlich die Versicherungspflicht, die seit April 2024 auch auf vielen privaten Flächen gilt.
Österreich und die Schweiz
In Österreich gibt es die Klasse AM ab 15 Jahren und A1 ab 16 Jahren. Statt B196 gibt es den Code 111: Wer seit mindestens fünf Jahren Klasse B hat und nicht mehr in der Probezeit ist, darf nach mindestens sechs Stunden Praxisunterricht ohne Prüfung 125er fahren.
In der Schweiz sind Kleinmotorräder bis 45 km/h ab 15 Jahren erlaubt, 125er der Kategorie A1 ab 16 Jahren nach zwölf Stunden Grundschulung. Wer bereits Kategorie B hat, bekommt A1 nach der Grundschulung ohne Prüfung. Die Bezeichnungen sind dort uneinheitlich, deshalb lohnt eine Rückfrage beim Strassenverkehrsamt.
Häufige Fragen zum Thema
Ab welchem Alter darf man ein Sur-Ron oder Talaria fahren?
Auf der Straße hängt es von der Variante ab. Die 45-km/h-Version (L1e) darf man mit Klasse AM ab 15 Jahren fahren, bis zum 16. Geburtstag aber nur in Deutschland. Die 125er-Version (L3e-A1) braucht Klasse A1, die es ab 16 Jahren gibt. Für Offroad-Versionen auf Privatgelände schreibt das Gesetz keinen Führerschein vor. Strecken und Eigentümer legen dort eigene Altersgrenzen fest.
Quellen: § 10 FeV: Mindestalter · § 6 FeV: Fahrerlaubnisklassen · geprüft 24.09.2026
Darf ich mit B196 eine Stark Varg oder Sur-Ron Ultra Bee fahren?
Ja, wenn das Bike als Leichtkraftrad L3e-A1 zugelassen ist, wie die Stark Varg SM und EX oder die Sur-Ron Ultra Bee in der L3e-Version. Für B196 musst du mindestens 25 Jahre alt sein und seit fünf Jahren Klasse B haben. Nötig ist eine Schulung in der Fahrschule mit mindestens vier Theorie- und fünf Praxiseinheiten, eine Prüfung gibt es nicht. B196 gilt nur in Deutschland.
Quellen: § 6b FeV: Schlüsselzahl 196 · ADAC: Mit dem Autoführerschein Motorrad fahren (B196) · geprüft 24.09.2026
Kann man ein E-Dirtbike ohne Führerschein fahren?
Auf öffentlichen Straßen und Wegen nicht. Ohne Führerschein darfst du nur ein Pedelec fahren, also ein Rad mit höchstens 250 W, das nur beim Treten bis 25 km/h unterstützt. Ein Gasgriff-Bike ohne Führerschein ist nur auf Privatgelände oder Strecken erlaubt. Dort gilt seit April 2024 zusätzlich die Versicherungspflicht, außer die Fläche ist eingezäunt und nicht öffentlich zugänglich oder es besteht eine Motorsportversicherung.
Quellen: § 4 FeV: Erlaubnispflicht auf öffentlichen Straßen · § 1 StVG: Zulassung, Pedelec-Definition · § 1a PflVG: Versicherungspflicht unabhängig vom Gelände · § 2a PflVG: Ausnahmen · geprüft 24.09.2026
Gilt B196 auch in Österreich und der Schweiz?
Nein, B196 gilt nur in Deutschland. Österreich hat mit dem Code 111 eine eigene Regel: Wer seit mindestens fünf Jahren Klasse B hat, darf nach mindestens sechs Stunden Praxisunterricht ohne Prüfung 125er fahren. In der Schweiz gibt es Kategorie A1 ab 16 Jahren mit zwölf Stunden Grundschulung. Wer dort bereits Kategorie B hat, bekommt A1 nach der Grundschulung ohne Prüfung. Das solltest du beim Strassenverkehrsamt bestätigen lassen.
Quellen: § 6b FeV: Schlüsselzahl 196 · ÖAMTC: Leichtmotorrad bis 125 ccm mit dem B-Schein (Code 111) · asa: Führerausweis-Kategorie A1 (Schweiz) · BFU: Führerausweis Kategorie A1, was gilt · geprüft 24.09.2026
Quellen
- § 6 FeV: Fahrerlaubnisklassen
- § 6b FeV: Schlüsselzahl 196
- § 10 FeV: Mindestalter
- § 4 FeV: Erlaubnispflicht
- § 2 FZV: Klein- und Leichtkraftrad
- ADAC: Mit dem Autoführerschein Motorrad fahren
- buzer.de: Änderung der FeV zum 28.07.2021 (AM mit 15)
- oesterreich.gv.at: Führerscheinklassen
- ÖAMTC: Leichtmotorrad mit dem B-Schein (Code 111)
- BFU: Führerausweis Kategorie A1
- asa: Kategorie A1
Dieser Artikel ist eine redaktionelle Zusammenfassung und keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Gesetze in ihrer aktuellen Fassung, die Papiere des jeweiligen Fahrzeugs und die Auskunft der zuständigen Behörde.